Besuch beim Softwaretester imbus

Programmen auf den Zahn gefühlt
Firma arbeitet bei EU-Forschungsprojekten mit - Start im Pfarrhaus


Möhrendorf - Ihr Metier ist die Tücke des Objekts, der Teufel, der bekanntlich im Detail steckt: Die Möhrendorfer Firma imbus hat sich dem Testen neu entwickelter Software verschrieben. Eine Dienstleistung, die im Informations- und Kommunikationszeitalter immer wichtiger wird: Computertechnik ist allgegenwärtig, vom reibungslosen Funktionieren der Programme hängt nicht selten das Leben von Menschen ab, etwa in der Medizintechnik. Software vor dem Einsatz zu prüfen, ist also kein Luxus - auch, wenn es nicht gleich um Leben und Tod geht: Wer seine Kunden mit nicht ausgereiften Programmen verärgert, kann sie schnell verlieren.

"Jeder gefundene Fehler in der Software spart unseren Kunden viel Geld", betont imbus-Vorstand Tilo Linz und schiebt mit einem Augenzwinkern nach: "So gesehen arbeiten wir quasi kostenlos." Der Informatiker gründete 1992 mit fünf Studienkollegen die Firma als GmbH. Das erste Büro war zwar keine Garage, aber doch ungewöhnlich: Die Jungunternehmer mieteten das Erdgeschoss des ehemaligen, rund 300 Jahre alten Möhrendorfer Pfarrhauses. Inzwischen gehört imbus der ganze Fachwerkbau und das Nebenhaus, in unmittelbarer Nähe wurden weitere Räume gemietet. Außerdem ist das Softwarehaus, das über 70 festangestellte Mitarbeiter beschäftigt und im laufenden Jahr 5,5 Mio. Euro (10,7 Mio. DM) Umsatz anpeilt nach 4,3 Mio. Euro im Jahr zuvor, in München mit einer Geschäftsstelle präsent. Eine zweite Dependance eröffnet dieser Tage in Frankfurt.

Aktien für Mitarbeiter

Das Problem "Fachkräftemangel" kennt natürlich auch imbus, zu dessen Kunden Siemens, Hewlett-Packard, Lucent, Consors und die Datev zählen. "Wir könnten viele Informatiker einstellen", versichert Linz - auch für die beiden EU-Forschungsprojekte zum Thema "Softwaretests", an denen die Möhrendorfer beteiligt sind. Während das eine Projekt Vorhersagemodelle zur Software-Zuverlässigkeit verbessern soll, hebt das andere darauf ab, Softwaretests mittels neuer Methoden und Werkzeuge ("Tools") weiter zu automatisieren. "Ziel ist, das Testen besser, schneller und damit billiger zu machen", bringt es Linz auf den Punkt.

Apropos Geld: Seit wenigen Tagen firmiert imbus als Aktiengesellschaft. Hauptgrund für die Umwandlung war der Entschluss der Gesellschafter, ein Beteiligungsmodell für Mitarbeiter zu schaffen. Gleichzeitig soll die Firma damit aber auch attraktiver für potentielle Mitarbeiter werden. Den Gang an die Börse planen die Möhrendorfer derzeit nicht - auch, weil sie keinen akuten Kapitalbedarf haben. Das Geld für die Aufstockung des Grundkapitals von 150 000 DM (knapp 77 000 Euro) auf rund 600 000 Euro (über 1,1 Mio. DM) stammt aus den nicht ausgeschütteten Gewinnen der vergangenen Jahre.

von Verena Litz

Veröffentlicht in den Erlanger Nachrichten, Mittwoch 28. März 2001/Seite 10