Hofheim.  Aus den sieben neuen Arbeitsplätzen sollen später mal 15 werden. Das ist das Ziel von Frank Schmeißner, dem Geschäftsführer der "imbus Rhein-Main GmbH", die seit Anfang dieses Jahres in einem Fachwerkhaus in der Zanggasse arbeitet. imbus ist, so die Eigenwerbung, ein "spezialisierter Dienstleister für Software-Qualitätsmanagement und Software-Test". Slogan des Unternehmens: "Wir sorgen dafür, dass ihre Software funktioniert."

Kunden der Firma imbus sind aber nicht die privaten PC-Besitzer, die ihr Gerät am liebsten aus dem Fenster werfen möchten, weil es wieder mal Zicken macht, sondern vielmehr IT-Hersteller, Softwarehäuser oder Datenverarbeitungs-Abteilungen aus Behörden oder Großunternehmen. Zu den Kunden gehören Hewlett-Packard, Siemens oder Consors und Oracle, also Firmen, die mit Computern und Software im großen Stil zu tun haben. Dabei übernimmt imbus eine Art Störfall-Rolle im Unternehmen ihrer Kunden. Schmeißner beschreibt die Rolle von imbus: "Wenn eine Firma eine neue Software einführt, schreibt sie entweder eine eigene oder eine Standardsoftware maßgenau auf die eigenen Zwecke um." Hier kommt nun imbus ins Spiel. "Am besten schon bei der Planung", sagt Schmeißner. Dann könne man die ersten Fehler schon im frühen Stadium ausmerzen. Aber auch danach geht die Suche weiter. Was immer die Programmierer einrichten, imbus versucht darin Fehler zu entdecken. Und zwar so lange, bis es keine Fehler mehr gibt, weil sie alle ausgemerzt sind. "Dieses Verfahren ist viel billiger, als wenn der Computer später während der laufenden Arbeit streikt", weiß Schmeißner, der sicher ist, dass imbus auch die aktuelle "Konjunkturdelle" problemlos übersteht.

Die Firma imbus gibt es seit 1992. Ein Freund und Studienkollege von Schmeißner hatte die Firma unter dem Dach eines alten Fachwerkhauses in Erlangen-Möhrendorf gegründet. Dort, unter dem Fachwerkdach, ist immer noch der Hauptsitz, wenn auch die Stockwerke darunter inzwischen ebenfalls der Firma gehören. 1999 wurde eine Geschäftsstelle in München gegründet und 2001 die Geschäftsstelle Rhein-Main in Hofheim. Insgesamt 75 Menschen sind bei imbus angestellt.

Schmeißner arbeitete nach seinem Studium zunächst als Angestellter bei einem imbus-Kunden, bevor er bei seinem Freund einstieg. "Wir haben bis Ende des Studiums eigentlich immer alles zusammen gemacht", erinnert sich Schmeißner.

Als imbus Räume für die Rhein-Main-Niederlassung suchte, zog Schmeißner durch die Orte rund um Frankfurt und wurde zunächst für sich selbst fündig. Zwar ist sein Hof hier in Hofheim sehr viel teurer als Häuser in seiner fränkischen Heimat, aber Schmeißner lobt Hofheim als Ort mit gutem Freizeitwert und als Platz, wo man ideal arbeiten kann: "Nahe an Frankfurt, verkehrsgünstig an Autobahnen und Flughafen gelegen und ruhig genug, um konzentriert zu arbeiten." Und am Rhein-Main-Gebiet kommt eine große Firma, die mit Computern oder Software zu tun hat, auf die Dauer nicht vorbei.

Zunächst hatte Schmeißner Räume an der Hauptstraße im Auge, aber die schnappte ihm ein anderer Bewerber vor der Nase weg. Dann wurde ihm das Häuschen in der Zanggasse angeboten. Es ist zwar etwas eng und bietet wenig räumliche Entwicklungsmöglichkeiten, aber Schmeißner sagt: "Unsere Firma wurde in einem Fachwerkhaus gegründet, dann können wir hier auch in einem Fachwerkhaus anfangen." Und einen festen Schreibtisch für jeden Mitarbeiter braucht er ohnehin nicht. Schmeißner: "Die meiste Zeit sind sie beim Kunden, und wenn sie mal einen Tag hier im Haus sind, reicht ein Steckplatz für den Laptop und schon können sie arbeiten."

Von den sieben Arbeitsplätzen, die Schmeißner neben seinem eigenen in der Zanggasse einrichtete, konnten zwei nur mit Mitarbeitern mit einer grenn-card besetzt werden. Jetzt wäre es weniger problematisch, Mitarbeiter zu finden, denn viele Fachleute, vor einem halben Jahr noch händeringend gesucht, sitzen auf der Straße, nachdem in der IT-Branche das Firmensterben umgeht. Schmeißner wundert das nicht. Unabhängig von der aktuellen, allgemeinen Konjunkturschwäche sei die Goldgräberstimmung jetzt vorbei. Die Firmen, die jetzt überleben, seien gesund und solide. Die Talsohle sei wohl erreicht, wenn es jetzt aufwärts gehe, bliebe der Erfolg dauerhaft.

Damit rechnet Schmeißner auch für imbus. Immerhin wachse der Markt jährlich um 30 Prozent, hat der Geschäftsführer beobachtet. Um mithalten zu können, hat imbus ein eigenes zentrales Schulungszentrum und bietet den Mitarbeitern, die mit green-card gekommen sind, Deutschkurse an von denen die Firma zwei Drittel bezahlt. Als Folge solcher Aktivitäten hat imbus auch nur eine Fluktuation von drei Prozent zu verzeichnen, meldet Schmeißner stolz. Und das in einer Branche, in der die Angestellten sehr häufig die Stelle wechseln.

Veröffentlicht Höchster Kreisblatt, Ausgabe 27. Oktober 2001